«There is a paradox at the heart of our lives. Most people want more income and strive for it. Yet as Western societies have got richer, their people have become no happier.»

- Richard Layard

Wollen wir Wachstum aufgeben?

Von der Glücksforschung und Sozialpsychologie werden immer solidere Erkenntnisse zu der Fragestellung geliefert, welche Vorraussetzungen dazu führen, dass Menschen in ihrem Leben Glück erfahren und ihr Leben als glücklich oder bedeutungsvoll reflektieren. In der Debatte um Postwachstum bilden diese Befunde oft die Grundlage einer gängigen These, die den Verdacht formuliert, dass die wachstumsfokussierte Wirtschaftspolitik Glück und Bedeutung der Gesellschaft nicht vermehrt. Unabhängig davon, ob wir vom Wachstumsparadigma ablassen müssen oder können, wird somit die Frage aufgeworfen, ob wir von Wirtschaftswachstum ablassen wollen, da es nicht die Werte fördert, die gesellschaftlich erwünscht sind.

Es ist wichtig festzustellen, dass in diesen Argumenten zwei Überlegungen grundsätzlich unterschiedlicher Art ineinandergreifen, die in diesem Abschnitt getrennt diskutiert werden: In einem ersten Schritt muss die empirische Frage untersucht werden, welchen Einfluss die Wirtschaftbedingungen der Wachstumsgesellschaft auf die Glück- und Bedeutungserfahrung der Gesellschaft faktisch besitzen. In einem zweiten Schritt kann dann die normative Frage gestellt werden, an welchen Werten sich Wirtschaftspolitik orientieren sollte und ob jener Einfluss tatsächlich diesen Werten entspricht.

Das vorgebrachte Argument, vom Wachstum abzulassen, da es Glück und Bedeutung nicht vermehrt, enthält somit zwei zu prüfende Prämissen: (i) Wirtschaftswachstum vermehrt Glück und Bedeutung nicht. (ii) Glück und Bedeutung zu mehren sind das adäquate Ziel von Wirtschaftspolitik. Die Argumentation ist schließlich nur dann überzeugend, wenn sowohl empirisch der Fall ist, dass Wachstum Glück und Bedeutung nicht vermehrt, als auch normativ plausibel, dass Glück- und Bedeutungszuwachs das eigentliche Ziel der Wirtschaftspolitik bilden sollen. Beide Prämissen sollen in den Texten dieses Abschnittes nun untersucht werden, wobei sich die Diskussion vor allem auf Glück fokussiert.

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